Schärengarten von Stockholm/ Schweden 2006
26.08.2006 - 09.09.2006
 

Nach dem traumhaften Norwegentrip im letzten Jahr war es nun mal wieder an der Zeit, Schweden zu bereisen und natürlich auch speziell auf einen unserer Lieblingsfische, den Hecht zu fischen. Diesmal fiel die Wahl auf Stockholms Schären. Sie gehören zu den inselreichsten Küstengewässern der Welt. Es erstreckt sich ein atemberaubendes Naturparadies mit 24.000 kleinen und größeren Inseln, wovon lediglich 150 ganzjährig bewohnt sind. Das gesamte Ausmaß dieser einmaligen Inselwelt lässt sich erst erfassen, wenn man diese aus der Vogelperspektive betrachtet oder mit dem Boot selbst erlebt. Schwedens Schärengarten erstreckt sich beginnend von Stockholm über 300 km entlang der Ostküste bis nach Oskarsham im Süden des Landes.

Schären

Hier die Story:

Am Freitag, 25.08.06 ging es direkt nach der Arbeit los in Richtung Rostock.  Unsere Fähre nach Trelleborg ging erst 22:45 Uhr. Somit war noch genügend Zeit, um in Warnemünde etwas leckeres Essen zu gehen. Die Wahl fiel diesmal auf den Griechen im Teepot. Gestärkt ging es dann auf die die Fähre. Hinzu setzten wir mit der Scandlines-Fähre "FS Skåne" über. Auf dieser sehr ordentlichen Fähre hatten wir eine schöne Außenbordkabine, die wir nach einem Schiffsrundgang dann auch nutzten, um ein wenig zu schlafen und ausgeruht in unseren ersten Urlaubstag starten zu können.

Nach 7,5 Stunden und einer ruhigen Überfahrt kamen wir gegen 6:15 Uhr in Trelleborg an. Jetzt hatten wir noch ca. 550 km bis zum Ziel vor uns.

Ankunft in Trelleborg
Ankunft in Trelleborg

Unsere Strecke führte uns vorbei an Malmö und Helsingborg in Richtung Vättern, dem zweitgrößten See Schwedens. Hier machten wir auch eine kurze Pause und schauten über einen Teil des mit 1.912 km² riesig großen Sees! Von da aus ging es dann weiter Richtung Stockholm. Im ausgeschlafenen Zustand und größtenteils Autobahn war die Strecke auch recht schnell bewältigt! Jetzt ging es die restlichen 50 km durch den typisch Schwedischen Wald Richtung Schärenküste.

Was war das??? Aus dem Nichts tauchte auf einmal eine Elchkuh vor uns auf. Mitten auf der Straße blieben wir stehen und ich griff nach meinem Fotoapparat. Im gegenüberliegenden Wald verharrte das Tier. Was für ein beeindruckender Anblick!

Elchkuh im Unterholz
Elchkuh im Unterholz

Auf einmal rief Anja: Schau mal da, schau mal schnell!!! Zwei Elchkälber rannten hinter uns über die Straße! Jetzt wussten wir worauf die "Alte" gewartet hatte!

Viltstängsel
Vorsicht "Viltstängsel"!

So schnell wie sie aufgetaucht waren, so schnell waren sie auch wieder weg. Wir jedoch waren super glücklich über unsere erste Begegnung mit Elchen in freier Wildbahn! Ein imposantes allerdings auch nicht ungefährliches Schauspiel! Die Schweden können ein Lied davon singen. Weite Strecken der Autobahn sind mittlerweile mit Wildzäunen gesichert!

Nach diesem Erlebnis ging es weiter. Noch wenige Kilometer, dann waren wir am Ziel. Sehr freundlich empfangen von unserer Vermieterin bezogen wir unsere Hütte.  Dies Ausstattung war zwar etwas einfacher als z.B. letztes Jahr in Norwegen. Dennoch bot sie alles was man für einen Schärenurlaub braucht!

Unsere Stuga
Unsere Stuga

Unser Häuschen lag idyllisch auf einer Landzunge, mitten im Wald. Von der Anhöhe konnte man direkt auf das Wasser schauen. Einfach fantastisch! Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an Schwedenklausi für die Empfehlung und die Seekarten.

Multifunktionale Terrasse
"Multifunktionale Terrasse"

Nach dem wir uns häuslich eingerichtet und das Gelände in Augenschein genommen hatten, beschlossen wir, eine Erkundungs- und Testangeltour mit dem Boot zu machen.

Eine einzigartige Natur tat sich uns auf, zwar nicht ganz so brachial wie in Norwegen aber dennoch atemberaubend und nahezu unberührt. Auch die Unterwasserwelt stellte sich so dar. Absolut klares Wasser mit zu 2,5 Metern Sicht. Bizarre Unterwasserwiesen ließen sofort erkennen, dass sich hier natürlich auch die Räuber sehr wohl fühlen müssen. Die waren es auch, auf die wir es abgesehen hatten.

Fantastische Natur
Fantastische Natur

Die Empfehlungen gingen in Richtung tieferes Wasser, da die Wassertemperatur mit 22°C nach dem heißen Sommer noch immer recht hoch waren. Die ersten Versuche in Tiefen zwischen 8 und 14 Metern blieben aber erfolglos.

Warten auf den ersten Fisch
Warten auf den ersten Fisch

Somit steuerten wir eine mit einem Schilfgürtel umgebende Bucht an. Das Echolot zeigte eine Tiefe von 2,5 Meter an. Es roch hier förmlich nach Fisch! Die ersten Würfe parallel zur Schilfkante waren gemacht. Uppps, was war das? Da hat sich doch was am 14'ner Zalt zu schaffen gemacht!!! Einen Wurf später wusste ich dann, was es war.

Zalt vs. Barsch
Zalt vs. Barsch

Kurzerhand einen 7'er Gummi montiert und schon begann der Reigen.  Ein paar schöne Barsche bis 36 cm gingen uns an die Köder. Es dauerte natürlich nicht lange, als auch Meister Esox von dem Treiben Wind bekam und auf Anja's Köder hereinfiel.

Anja's erster Schwedenhecht
Anja's erster Schwedenhecht

Weitere Fische folgten. Kein Riesen aber dennoch war die Freude groß. Fisch war also da. Für den ersten Versuch war es schon mal gar nicht schlecht. An einem fremden Gewässer erfolgreich zu sein ist gar nicht so einfach. Und da Anja bisher ja nur Erfahrung beim Meeresangeln hatte, war ich natürlich erleichtert, dass es bei ihr so gut zur Sache ging. Das meine Sorgen vollkommen unbegründet waren, sollte sich weiteren Verlauf noch zeigen.

Auch am nächsten Tag konnte ich Anja überreden, "die Schären mit dem Boot zu erkunden". So ging es nach dem Frühstück wieder aufs Wasser. Diesmal sollte es weiter weg gehen. Dafür ist es unbedingt notwendig, Seekarten und/oder ein GPS mitzunehmen. Aus unserer Sicht hätten die Seekarten allein nicht gereicht, um zurückzufinden. Spätestens beim dritten Abzweig, wusste man anfangs nicht mehr wo man war.

So fuhren wir immer wieder fängige Stellen in Ufernähe an und konnten dort auch den einen oder anderen Gädda (Hecht) und Abborre (Barsch) erwischen.

Standard - Schärenhecht
Standard - Schärenhecht

Zwischendurch versuchten wir es immer wieder im Tiefen, doch Fehlanzeige, wir bekamen keine Bisse. Schleppenangeln ist in den Schären verboten.  Somit standen ab sofort die ohnehin verlockend aussehenden Schilfkanten und Buchten im Fokus.

Langsam wurden auch unsere Fänge größer.

Anja mit 76'iger
Anja mit 76'iger

Zumindest was die Hechte und Anja anbelangte. Hauptsächlich mit großen Blinkern (Effzett bzw. Profiblinker) legte sie kräftig vor. Ich war somit hauptsächlich mit abhaken beschäftigt!  :-)

Dafür klappte es bei mir schon mal mit den Barschen recht gut.

End-30iger Stachelritter
End-30iger Stachelritter

An den nächsten Tagen machte der Spätsommer eine Pause. Wir erkundeten die Gegend, wanderten und besuchten Linköping, die größte Stadt in der näheren Umgebung.

Dennoch zog es uns wieder raus auf's Wasser. Blanca war zwar bestens mit einer Schwimmweste ausgestattet, musste nun aber noch gegen den Regen geschützt werden. Was sich 2001 am Åsnen schon bei uns bewährt hatte, funktionierte auch prima beim Hund.

Doggie Raincoat
Doggie Raincoat®

Diesmal fanden wir eine Super Stelle. Es war ein schmaler und mit max. 2 Metern sehr flacher Durchgang zu einer recht großen Wasserfläche. Hier fingen wir mehrere Hecht und auch Barsche.

Hecht auf Salmo Perch
Hecht auf Salmo Perch

Die meiste Zeit verbrachte ich natürlich wieder damit, Anja's Fänge abzuhaken. An dieser Stelle noch mal ein dickes Petri Heil, ich habe mich mindesten genau so sehr über jeden ihre Fänge gefreut wie sie.

So kam es, dass sie wieder einen Fisch am Band hatte, der sich recht zügig ans Boot dirigieren ließ. Mit den Worten: "Schatz kannste den mal bitte abmachen" schaute ich über die Bordwand und sagte: " Hmmm, so klein ist der aber gar nicht!" Im selben Augenblick schoss er auch schon los. Es ging ordentlich Schnur von der Rolle. Für Anja gab's nur eins! Dieser Fisch muss unbedingt gelandet werden. Drei Mal war der Fisch schon am Boot gewesen, zog aber immer wieder ab. Dann versuchte ich ihn zu Keschern. Schon drin, machte er einen kräftigen Satz aus dem Netz und es folgt eine erneute Flucht. Dann war er zum Landen bereit. Ein lauter Jubelschrei hallte übers Wasser.  Anja hatte soeben ihren bis dato größten Hecht ( 90 cm, ca. 4kg)  gelandet. Das bedeutete natürlich riesen Glück und Freude an Bord.

Rekordhecht
Anja's persönlicher Rekordhecht

Beim Abhaken verletzte ich mir heftig einen Finger durch einen recht tiefen Schnitt. Der Fisch hatte trotz sicheren Griff geschlagen und mich dabei mit den Zähnen erwischt. Trotzdem ging es weiter. Wir waren immer noch an der gleichen Stelle.  Diesmal wählte ich einen Turus Ukko aus. Beim zweiten Wurf hatte ich Kontakt. Auch bei mir wurden nun die Hechte größer. Einen 78'iger konnte ich per Hand landen.

78'iger Gädda
78'iger Gädda

Glücklicher Weise kam der Spätsommer mit Temperaturen bis 26°C zurück. Da hieß es natürlich runter ans Wasser und zum Sonnen und Baden. Auch Blanca war froh, den lästigen Regenkuttenersatz wieder los zu sein.

Endlich wieder Spätsommer
Endlich wieder Spätsommer

Besonders gut geeignet zum Sonnen, Baden, Lesen und Sekttrinken war eine kleine vorgelagerte Insel. Diese wurde auch gleich am ersten Tag okkupiert und lud ständig zum Relaxen ein.

Champus-Island
Champus-Island

Sekt on the Rocks
Sekt on the Rocks

Nach einem halben Tag Entspannung und Sekttrinken sagte Anja dann auf ein mal: "Los, wir fahren jetzt Angeln"! Ich sagte erstaunt: "Selbstverständlich, auf geht's!" und dachte: "Hmmm, hier muss irgendwas ganz besonders Gutes in Luft liegen!" :-)

Wir fuhren unsere Hotspots der Vortage an und drangen in neue Areale vor. Dort fanden wir eine weitere Top-Stelle. Es war wiederum ein Durchgang zwischen mehreren Inseln hin zu einer meerseitigen großen Wasserfläche. Der Durchgang war mit ca. 400 Metern recht breit. Anders als sonst war dieser aber über die komplette Breite mit bis max. 6 Meter ziemlich flach. Die meiste Fläche davon war ca. 3 Meter tief und man konnte bei dem klaren Wasser bis auf den Grund schauen. Ein gigantische, strukturierte Seegraswiese zeigte sich. Zahlreiche Strömlinge passierten diese Passage. Wenn hier mal kein Hecht steht!!?? Anja, wer auch sonst, legte mit einem 84'iger vor!

Anja mit 84'iger
Anja mit 84'iger

Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen ist natürlich auch in Schweden Pflicht. Wo sonst hat man noch solch eine hohe Dichte an Hechten? Das sollte auch unbedingt so bleiben!

Hecht wird released
Hecht wird released

Wir fingen 12 Hechte an dieser Stelle. Keiner davon war unter 75 cm. So macht Hechtangeln richtig Spass.

Einer davon ist ein 94'iger:

Nach meinem dritten Hecht auf Zalt kramte ich wieder meinen Turus Okko raus. Nach dem zweiten Wurf beobachtete ich den Lauf des Wobblers im glasklaren Wasser. Ca. 5 Meter vor dem Boot machte ich einen Spinnstop. Was war das???? Aus dem Nichts gekommen stand auf ein mal ein kräftiger Hecht direkt hinter dem Wobbler und wedelte aufgeregt mit den Brustflossen! Adrenalin!!! Ich machte zwei Kurbelumdrehungen und der Hecht packte zu. Und schon geht der Tanz los. Absolut sensationelle Bilder liefen vor mir ab! Mit weit aufgerissenem Maul schüttelte er sich wütend und zog von dannen. Daraufhin erhöhte ich etwas den Druck um Schnur zurückzugewinnen. Das veranlasste Meister Esox zu mehreren wilden Sprüngen. Dann war er für die Landung bereit und mein Bann war endgültig gebrochen.

Kampfstarker 94'iger
Kampfstarker 94'iger

Etwa fünf Würfe später rappelte es erneut! Das Schauspiel nahm in ähnlicher Art und Weise seinen Lauf. Ich landete einen 91 cm Gädda. Jawohl, so muss es sein! Da lachte des Angler's Herz. Der Köder war wiederum ein 16cm Ukko im Barschdekor. Die beiden Gesellen hatten ihm aber mächtig zugesetzt. Die Öse des oberen Haken war schon halb rausgedreht und musste somit erstmal in die Reparatur!

91'iger Ukko-Killer
91'iger Ukko-Killer

Was assoziiert man außer Elch und Hecht noch mit Schweden? Natürlich Pilze. Für diejenigen, die Pilze mögen ein Mekka. Bei uns gab es fast jeden zweiten Tag Pilze. Wenn wir zum Fischen unterwegs waren, haben wir immer auf einer der Inseln Pause gemacht und uns für den Abend mit Pilzen eingedeckt. Ein Rinderfilet mit frisch gesammelten Maronen und Steinpilzen ...ein Traum!

Pilzspürhund
Pilzspürhund

Manche Inseln wurden von den Bauern auch als Weiden für Ihre Schafe genutzt. Dort war die Ausbeute natürlich nicht so besonders hoch. Da hieß es dann ab zur nächsten! Ein kleiner Trick: Einfach laut knatternd ein paar Kreise vor der Insel ziehen und wenn sich dann kein Schaf zeigt, anlegen und  Pilze sammeln. Die blöden Viecher denken nämlich immer, sie werden abgeholt! :-)

Kleine Mahlzeit
Kleine Mahlzeit in 5 Minuten

Auch in Schweden springen einem die Fische nicht ins Boot. Die mittels Seekarte ausgewählten abgelegeneren Ecken haben uns die größeren Exemplare beschert. In der unmittelbaren Umgebung von unserem Häuschen waren oft Angler unterwegs. Erstaunlich, das sich das tatsächlich so bemerkbar macht!

 Kontakt!
Kontakt!

Hecht auf X-Rap-Jointed
Hecht auf X-Rap-Jointed

Die Rückkehr bei einsetzender Dämmerung aus dem von uns unbekannten Terrain der Schären wäre ohne GPS undenkbar gewesen. Alles sah dann gleich aus. Nicht umsonst passiert es häufig, das Bootsfahrer auf einer der vielen Inseln übernachten müssen um am nächsten Tag die Suche nach dem Heimweg fortzusetzen.

Heimkehr mittels GPS
Heimkehr mittels GPS

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