Auf Boddenhechte vor Dranske im Januar 2005
14.01.2005 - 16.01.2005

Der Januar und Februar ist die beste Zeit um den Boddenmonstern auf den Zahn zu fühlen. Zu dieser Zeit kommen zusätzlich zu den vorhanden Hechten noch die Giganten aus der Ostsee. Diese spezielle Population zieht ausschließlich zum Laichen in die Bodden und treibt sonst ihr Unwesen in den Küstenregionen der Ostsee (speziell um Rügen). Dort wachsen sie durch das gute Nahrungsangebot zu wahren Riesen heran, welche man höchstens noch in den Schwedischen Schärengärten finden kann.

Hotspots

Hier die Story:

Der bis dato milde Winter ohne Frost versprach ein für diese Jahreszeit angenehmes Angeln.  Problematisch war allerdings der lang anhaltende starke Wind.

Windstärke 11
Dranske: Eine Woche zuvor noch bis zu 11 Windstärken 

Es galt also ein geeignetes Zeitfenster mit Witterungsverhältnissen zu finden, welches eine Ausfahrt auf den Bodden ermöglicht.

Am Fr., 14.01.05 war es dann soweit. Ein Anruf bei Conny vom Angelparadies Rügen genügte und ein 8 PS Boot, sowie eine gute und günstige Unterkunft standen zur Verfügung. Leider war es auf die Schnelle nicht mehr möglich, einen meiner Mitstreiter zur Mitfahrt zu gewinnen. Aber egal, bei Conny mangelt es nie an Gleichgesinnten.

Tag 1:
Voller Erwartung und nach leckerem Frühstück stand ich wie verabredet 9:00 Uhr bei Conny am Bootssteg. Zwei Anglerkollegen bereiteten sich gerade auf eine Ausfahrt auf Dorsch vor.  Die Frage, ob ich nicht gleich mitkommen wolle, beantworte ich etwas zögerlich mit "nein".

Das Ziel meiner Begierde war diesmal nicht der Dorsch, sondern der Hecht. Ok, fix das Boot beladen und los ging's. Als erstes fuhr ich die gut gehenden Stellen vom Herbst an (Kanten von 2,5 m auf 4 m). Bis auf einen kurzen Anfasser allerdings Fehlanzeige. Dann ging es ab zur Fahrrinne in Höhe Wiek. Viele, viele Würfe und die komplette Köderpalette ausprobiert, aber kein Biss. Was war los? Ist es zu Warm (Wasser: 4,5°C, Luft: 6°C, Wind: 3 bft/SW)? Vielleicht doch schon heute wieder zurück fahren? … Kontakt!!!  Es hat sich wohl doch noch ein Hecht überreden lassen. 

Er nimmt ganz ordentlich Schnur bevor er sich zum ersten Mal kurz an der Oberfläche zeigt, dann taucht er abermals ab.  Nach ein paar Minuten ist er zum Landen bereit…Nein! ... doch nicht. Einen halben Meter vor dem Kescher schüttelt er sich noch mal wild und verschwindet für immer… Schade! …es war nicht der Kleinste.

Kurze Zeit später habe ich wieder einen Biss. Schon der Drill ließ erahnen, dass es nichts Größeres ist. Der erste Hecht ist an Board, mit 67 cm zwar noch weit entfernt vom Meterhecht aber immerhin ein Anfang.

 Hecht, 67 cm
Hecht, 67 cm 

Es war ca. 14:00 Uhr und es schien endlich anzufangen zu beißen. Nächster Stop ist die Fahrrinne im Rassower Strom, in etwa Höhe der Wittower Fähre. Schon beim dritten Wurf schlägt es in meinen 18 cm Invincible Deep Runner ein. Nach einem kurzen aber feinen Drill lande ich einen Hecht von 81 cm.

   Hecht, 81 cm
Hecht, 81 cm

Es sah so aus, als ob die Hechte langsam ausgeschlafen hatten. Nach nicht allzu langer Zeit hatte ich wieder einen heftigen Einstieg auf 15 cm Gummifisch. Nach dem Anhieb gingen erstmal einige Meter Schnur von der Rolle. Da war es, das erste Boddenmonster 2005!

Nach einigen Minuten sehe ich das Ungeheuer von schätzungsweise einem guten Meter Länge zum ersten Mal. Ab diesem Zeitpunkt war es dann auch vorbei mit der Gelassenheit und der angeblich vorhandenen Routine. Ein solcher Fisch beeindruckt jedes Mal wieder aufs Neue. Zu früh versuchte ich mehrere Male den kapitalen Räuber über meinen für dieses Unterfangen etwas unterdimensionierten Kescher zu bekommen. Da passierte es! Der Jighaken verfängt sich von außen am Kescher und somit war keine Abfederung der Schläge mehr möglich. Zwei heftige Schläge später war es geschehen. Ein ordentliches Loch im Kescher und ein gerissenes 30 kg Stahlvorfach des zusätzlichen Gummifisch-Drillings war alles, was blieb. Katastrophe!!! Ich dachte immer, so was passiert Dir nie…sondern nur immer den anderen Experten... weit gefehlt! Diesmal war der Fisch noch nicht ausgedrillt und der Kescher zu klein. Handlandung ist eben doch das Beste. Zur Sicherheit werde ich mir dann doch mal einen vernünftigen Bootskescher zulegen. Der kann beim Dorschfischen sicher auch nicht schaden.

Gut bzw. schlecht, jetzt nur keine Zeit verlieren, der Angeltag neigt sich langsam dem Ende. Noch einmal setze ich um. Ab an die Kante zur Fahrrinne in Höhe Dranske zum Finale des heutigen Tages.  Als Köder kommt mein im Herbst erfolgreich eingesetzter Nils Master Big Mouth zum Einsatz. Mit Erfolg! Nach ca. 20 Minuten erfolgt ein weiterer Biss. Ein 76' iger geht nach kurzer Schüttelei ins Boot… und kurz darauf wieder zurück in sein Element.

Hecht, 76 cm
Hecht, 76 cm

Da hat sich der Tag ja doch noch zum Guten gewandelt, also geht’s morgen auf jeden Fall noch mal raus. Am Abend war ich gemeinsam mit den beiden Dorschanglern auf 'n Schnitzel und 'n Bier und jede Menge Anglerlatein in einer urigen Kneipe in Kuhle. Eine Kiste voller guter Filetdorsche hatten sie mit an Land gebracht. Auch auf See hatte es erst sehr zögerlich gebissen. Es ging dann auch erst ab dem frühen Nachmittag richtig los.

Tag 2:
Das Frühstück hatte ich am Vortag noch abbestellt, da ich die Herbergsmutter schonen und nicht extra wegen mir und den damit verbundenen 5 Euro sonntags frühzeitig aus dem Bett quälen wollte. Um 7:30 Uhr war ich startklar. Das Boot hatte noch eine feine Eisschicht. Der Wind hatte zugenommen und kam mit ca. 5 Windstärken aus Südwest daher. Ein sicheres Angeln war gerade noch gegeben.

Ok, los geht's, die Zeit drängt. Spätestens 13:00 Uhr sollte es ja wieder zurück nach Hause gehen. Also wieder ab an die Fahrrinne im Rassower Strom, hinter dem alten Armeehafen.  Es ist noch recht diesig und kalt. Die Rechnung ging auf, die Hechte waren immer noch in Beißlaune. Ein schöner 93 cm Hecht bietet einen herrlichen Drill. Er war meinem Gummifisch im Heringsdesign verfallen, wahrscheinlich in Vorfreude auf das bevorstehende große Fressen.

Hecht, 93 cm
Hecht, 93 cm 

Das Wetter wurde zunehmend sonniger und der nächste Hecht mit 67 cm entsprechend kleiner. Hmmm, keine besonders gute Bedingungen noch ein Meterhecht zu landen, sehr schade! Conny hatte mir extra seinen geräumigen Bootskescher mitgegeben.

Fahrinne - Wieker Bodden
Fahrrinne - Wieker Bodden

Es war mittlerweile kurz vor 11:00 Uhr. Zwischendurch ist mir noch ein kleineres Exemplar im Drill ausgestiegen. Große Fische, große Köder sagt man so schön. Ich krame wieder meinen 18 cm Nils Master raus und stelle mal wieder fest, dass sich so'n Ding besonders bei Wind recht schlecht auswerfen lässt…egal. Nach dem Aufkommen im Wasser hole ich immer erstmal schnell ein, damit er schnell auf Tiefe geht. Dann mache ich immer wieder kurze Einholpausen, damit der Wobbler auftreiben (schwimmendes bzw. schwebendes Modell) kann. Nach knapp einer Stunde wurde es langsam Zeit, Feierabend zu machen.  Fünf Stunden Autofahrt standen mir noch bevor. Ok, einen Wurf noch, na gut noch einen...usw. … unkonzentriert hole ich den Köder recht zügig ein, rrrumms ... schlug es ein wie eine Bombe. Erst geht gar nix mehr, doch dann gewinne ich etwas an Schnur. Plötzlich zieht es mir die Schnur von der Rolle. Das dürfte etwas Ordentliches sein!

Die Hechte sind bei den verhältnismäßig warmen Wassertemperaturen noch unheimlich agil. Das sehr kalte Wasser im Winter wirkt sich normalerweise nachteilig auf den Drill aus, da auch die Hechte träger in ihren Bewegungen werden.

Näher und näher führte ich ihn an das Boot ran, doch dann zog er abermals los. Diesmal direkt unter das Boot.  Meine ins Wasser getauchte Angel bog sich im Halbkreis unter dem Boot durch. Nach etlichen Minuten ist es dann soweit, ich lande einen 101 cm und mit 8,6 kg ordentlich dicken Hecht.

Hecht, 101 cm, 8,6 kg - Bild 1
Hecht 101 cm, 8,6 kg

Strammer Meterhecht
Strammer Meterhecht

Es hatte doch noch geklappt, einen Meterhecht zu überlisten, obwohl es erst sehr schwach begonnen hatte. Es zeigt sich immer wieder, dass Ausdauer und die gewisse Anzahl "eingezahlter Angelstunden"  den Erfolg bringt.

Mein Equipment für den Bodden war eine Mitchell Performance 3,00 Meter, 20 bis 70 Gramm Wurfgewicht und eine Shimano Technium 4000 FA, bespult mit 17'ner Fireline.

Nach einem gemeinsamen Kaffee mit Conny und den geschmiedeten Plänen für das nächste Event, geht es wieder zurück in die Heimat. Rügen ist mit seiner Vielfalt ein absolutes Paradies für Angler.

Rügendamm
Blick vom Rügendamm

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